Lotte-Lehmann-Woche: Programm

Die Lotte-Lehmann-Woche findet statt vom 25.08.2017 bis 02.09.2017

Schwerpunktrepertoire für Anfänger

Seit 2016 hat das Kursprogramm der Lotte Lehmann Woche eine neue Struktur.
Statt jährlich wechselnden thematischen Kursen (wie etwa: Lieder von Brahms, italienische Oper vor Verdi etc.), fassen wir nun das Kursrepertoire in fünf Schwerpunkte zusammen. In diesen findet alles Platz, was Teilnehmer der Lotte Lehmann Woche erfahrungsgemäß an Repertoire für den Kurs erarbeiten und mitbringen. Für Teilnehmer, die einen Einstieg in den klassischen Gesang suchen, haben wir in den dafür geeigneten Themenblöcken jeweils konkrete Literaturempfehlungen aufgelistet. Weiterführende Fragen beantwortet gerne die Kursleitung. Ebenso können sich fortgeschrittene Teilnehmer, die nach Repertoireanregungen jenseits der ausgetretenen Pfade suchen, sich dafür an die Kursleitung wenden.
Teilnehmer können sich im Vorfeld für bestimmte Blöcke anmelden. Die Zuteilung zu den Dozenten erfolgt dann am ersten Tag des Kurses nach dem Vorsingen. Natürlich können im Vorfeld Fragen, Wünsche und Präferenzen zur Dozenteneinteilung geäußert werden, die wir nach Möglichkeit beantworten/berücksichtigen werden.
Deutsches Lied und französische Mélodies (Kai Wefer, Angelo Raciti)
Die deutschen Klassiker Schubert, Schumann, Brahms und Strauss, sowie die französischen Meister der vokalen Kammermusik von Berlioz über Fauré, Duparc, Chausson bis zu Ravel und Debussy prägen nach wie vor die Programme der anspruchsvollen Sängerrecitals.
Repertoire für Einsteiger findet sich im deutschen Lied bei Schubert, Schumann und Brahms, aber auch bei Mozart und Beethoven. Geeignete französische Mélodies finden sich vor allem unter den frühen Werken von Gabriel Fauré.

Arie antiche und italienische Salonromanzen (Sylvia Koncza, Angelo Raciti)
Die von Parisotti im späten 19. Jahrhundert berühmt gemachten Arien aus Barock und Frühklassik gehören zum täglichen Brot eines jeden angehenden Sängers und auch für Fortgeschrittene wissen sie zu schätzen, denn mit ihnen lernt man alles, worauf es gesangstechnisch ankommt: Linie, Atemkontrolle, ausgeglichene Klanggebung, sorgsamen Aufbau der Höhe aus einer gesunden Mittellage, und einfache Verzierungen.
Ganz ähnlich im Schwierigkeitsgrad sind die romanze da camera italienischer Opernkomponisten wie Rossini, Donizetti, Bellini, Verdi und Puccini – hier reicht das Spektrum von einfachen aber melodisch ... Strophenliedern bis zur Mini-Opernarie mit Rezitativ und Cabaletta.
Und schließlich bildete sich im ausgehenden 19. Jahrhundert eine Gruppe von Komponisten, die heute nahezu ausschließlich wegen ihrer Salonromanzen berühmt sind – allen voran natürlich Francesco Paolo Tosti, der für sein Schaffen von Queen Victoria geadelt und zum Leiter des Londoner Konservatoriums berufen wurde. Aber auch die Lieder von Denza, Donaudy, Gastaldon oder Mascagni bieten Sängern jeder Entwicklungsstufe dankbare Aufgaben.
Operette & Musical (Kai Wefer, Phoebe Fennell)
„Erfunden“ hat die Operette ein Kölner in Paris: Jacques Offenbachs zündende Mischung aus schmissigen, eingängigen Melodien, und Szenen voll groteskem Witz, die gesellschaftliche und politische Verhältnisse – und auch die jeweilige Opernmode – parodistisch und satirisch aufs Korn nehmen. Was mit kurzen Einaktern in kleinen Boulevardspielstätten begann, führte in kürzester Zeit zu den europaweiten Großerfolgen von Orphée aux Enfers, La belle Hélène, La Grande-Duchesse de Gérolstein, Barbe-Bleue, La vie Parisienne, La Périchole, und Les Brigands. Während Offenbach in Paris keinen Nachfolger fand, wurde Wien für über ein halbes Jahrhundert zur Operettenhauptstadt. Im deutschen Sprachraum traten die Werke von Strauss, Millöcker und von Suppé auch die Nachfolge der durch Wagner ins künstlerische Abseits gedrängten Spieloper an und zeigten zunehmend eine Tendenz zur moralischen Seriosität in Charakterzeichnung und Handlungsentwicklung.
Nach dem 1. Weltkrieg und unter dem Konkurrenzdruck von Revue, Kino und Kabarett begann eine Suche nach leichteren musikalischen Formen, oftmals in Anlehnung an die Broadway Musicals, mit tanzorientierten Musiknummern. Diese sind vor allem typisch für die Berliner Operette.
Dagegen zeigt sich bei Lehar und Kalman mit ihren zunehmenden Erfolgen eine deutliche Annäherung zur Oper – zumal ersterer in de 20er Jahren durch die enge Zusammenarbeit mit seinem Star Richard Tauber einen hochkarätigen Tenor mit effektvollen Hits zu versorgen hatte, die beiden auch regelmäßig kommerzielle Schallplattenerfolge sicherten. Umgekehrt flirteten auch namhafte Opernkomponisten wie Puccini und Korngold – durchaus auch mit finanziellem Anreiz – mit der Gattung, ohne allerdings ihrem Gesamtwerk dadurch Wesentliches hinzuzufügen.
Opernhafte Dimension erreicht auch die spanische Parallelgattung der Zarzuela insbesondere in den für sie typischen dramatischen Handlungs- und Stimmungsmomenten.
Hatten die ersten Broadway-Musicals sowohl musikalisch wie auch in ihrer losen Dramaturgie eher Revuecharakter – so etwa Victor Herberts Naughty Marietta oder Rombergs The Student Prince – so motivierte die Konkurrenz zum Film die nächste Komponistengeneration zu mehr Stringenz und Spannung im Handlungsaufbau und dem Aufgreifen gesellschaftlich kontroverser Themen. Die Besetzungen der großen klassischen Musicals wie Oklahoma!, Show Boat, South Pacific, West Side Story, oder My Fair Lady kombinieren durchweg Rollen, die für Sänger aus dem Unterhaltungssektor geschrieben sind mit Partien, die auch - und vielfach gerne - von Opernsängern übernommen werden können.
Körperarbeit (Anisa Kureishi)
Tai Ji & Qi Gong
Die Kursbeschreibung erscheint hier in Kürze!
Chor- und Ensemblearbeit (Scott Curry)
Eine Einladung zum gemeinsamen Musizieren an Anfänger wie Fortgeschrittene.

Dieser Kurs soll ein Gemeinschaftserlebnis für möglichst viele Teilnehmer der Lotte-Lehmann-Woche werden, er findet deshalb zu einem Zeitpunkt statt, der sich mit keinerlei anderen Kursen überschneidet.

Die Stückauswahl für den Kurs wird Mitte Juni bekannt gegeben.
Bewegungstraining für Sänger (Sebastian Gühne, Phoebe Fennell, Anisa Kureishi)
Man singt mit dem ganzen Körper – körperliche Fitness und Reaktionsfähigkeit sind daher für jeden Sänger unverzichtbare Voraussetzungen für die tägliche Arbeit. In diesem Kurs treffen wir uns jeden Morgen vor dem Frühstück (ca. 7.45 Uhr) im Freien zu einer Reihe einfacher aber effektiver Aufwärmübungen für den ganzen Körper.

Schwerpunktrepertoire für Fortgeschrittene

Italienische, französische und deutsche Oper (Sylvia Koncza, Phoebe Fennell, Kai Wefer)
Auf den ersten Blick werden hier drei Nationalstile benannt. Doch sind die historischen Verbindungen zwischen den Zentren und den herausragenden Komponisten Italiens, Frankreichs und Deutschlands nachweislich in jeder Epoche sehr eng gewesen, die Gipfelpunkte der Opernliteratur hervorgebracht hat.
Am deutlichsten zeigt sich dies in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Paris – die Opernreform von Gluck war eben abgeschlossen, die von dem deutschen Komponisten stark beeinflussten Italiener Cherubini und Spontini leiteten das Conservatoire, Rossini schrieb mit Le siège de Corinthe und Guillaume Tell die ersten prototypischen grand opéras – eine Gattung, die wiederum vom Deutschen Giacomo Meyerbeer (eigentlich Jacob Liebmann Beer) zur Vollendung gebracht wurde, während gleichzeitig der Kölner Jacques Offenbach die Operette „erfand“.
Umgekehrt wären entscheidende Entwicklungen in der italienischen Oper ohne das Experimentierfeld Paris (wo sich Rossini, Bellini, Donizetti und Verdi die Klinke in die Hand gaben) ebensowenig möglich gewesen, wie die Komponisten in Verdis Nachfolge ohne Wagner, die französischen Impressionisten und Stravinsky.
Die deutsche Oper wurde bis kurz vor Wagner – wie ihre erfolgreichsten Exponenten Hasse, Gluck und Mozart zeigen – größtenteils durch die Formensprache der italienischen Opera seria bzw. der französischen Opéra comique dominiert. Und Wagner selber wusste ganz genau, was sein Musikdrama den Innovationen von Berlioz und Meyerbeer im Orchestersatz und der Sprachbehandlung und Melodik der Werke von Gluck, Cherubini und Bellini verdankte.
Kurz – es gibt keine in sich geschlossenen und ungebrochenen Operntraditionen Italiens, Deutschlands und Frankreichs, sondern die Oper war schon immer europäisch und entwickelte sich durch einen fortlaufenden Austausch der herausragenden Komponisten und Institutionen in den großen Kunstzentren dieser Länder.
Unstrittig allerdings ist, dass Italien – wo die Oper „erfunden“ wurde – in der Behandlung der Gesangsstimme – sowohl was das musikalische Ausdrucksspektrum wie auch die Fortentwicklung der gesangstechnischen Grundlagen – immer führend war, solange es dort eine lebendige Operntradition gab. Nahezu alle führenden Sänger ihrer Zeit studierten in Italien oder bei italienisch geschulten Lehrern in ihrem Heimatland. Darum empfehlen wir jedem jungen Sänger – auch wenn diese Stücke aktuell nicht sehr präsent im Mainstream-Repertoire sind – die Auseinandersetzung mit Soloststücken aus Opern von Monteverdi, Händel, Gluck, Rossini, Bellini und Donizetti als Mittel, um sich die Grundlagen des Belcanto und auch der ausdrucksvollen Sprachbehandlung in Rezitativen anzueignen und Technik, Stil und Interpretation anhand von Musik, bei der es primär auf den Sänger ankommt, immer weiter zu verfeinern.
Oratorien, Messen, Konzertarien (Sylvia Koncza, Kai Wefer, Phoebe Fennell)
Wie die Oper hat das Oratorium seine Ursprünge in Italien, doch an die Komponisten, die hier Pionierarbeit geleistet haben, erinnert man sich heute kaum deswegen. Geprägt wurde das Genre so wie es heute in den Konzertspielplänen und Kirchen präsent ist durch die Meilensteine deutscher Komponisten. An erster Stelle sind hier natürlich die strikt kirchlichen Oratorien und Passionen von J.S. Bach zu nennen, daneben die englischen Oratorien von Händel, die – mit Ausnahme des Messiah – dezidiert als theatralisch-konzertante Mischform zwar geistliche Themen aufgreifen, diese jedoch mit einer Dramatik umsetzen, dass auch immer wieder szenische Umsetzungen erfolgreich waren. Immer wieder widmeten sich Komponisten über das Oratorium Gegenständen, die sich einer Visualisierung im Theater sperrten, aber für eine Darstellung mit musikalischen Mitteln spannende Herausforderungen boten –so Haydn mit Die Schöpfung und Die Jahreszeiten, Mendelssohn mit seinen Werken um den Propheten Elias und Apostel Paulus, oder Schumann mit Das Paradies und die Peri und Der Rose Pilgerfahrt. Auch in Frankreich diente das Oratorium seit Berlioz’ Enfance du Christ und La Damnation de Faust als Experimentierfeld für neue Mischformen zwischen Oper und konzertanten Vokalwerken größeren Zuschnitts. Diese Freiheit nutzen dann auch die Komponisten des 20. Jahrhunderts immer wieder, und weiteten das Themenspektrum einerseits auf epische, mythische, und religiöse aber nicht im Christentum verwurzelte Stoffe aus, andererseits transportieren viele neuere Werke auch dezidierte Appelle für Frieden und Gerechtigkeit, als Reaktion auf die großen Weltkriegskatastrophen und das Atomzeitalter.
Opernkorrepetition (Scott Curry)
Dieser Kurs bietet für fortgeschrittene Teilnehmer der Lotte Lehmann Woche die einzigartige Möglichkeit, mit einem international erfahrenen Pianisten und Dirigenten intensiv an ihrem Opernrepertoire zu arbeiten.

Bitte geben Sie bei der Auswahl der Stücke für diesen Kurs genau den Arbeitsstand an, auf dem sich die einzelnen Arien befinden, und was sie in Bezug auf jedes gewählte Stück im Rahmen der Lotte Lehmann Woche erreichen möchten.
Interpretation und szenische Arbeit (Sebastian Gühne)
Der Schritt von der schön gesungenen Phrase zur erfüllten musikalischen Aussage und szenischen Darstellung ist entscheidend für Sänger und Publikum. Nur dann springt der berühmte Funke über, der aus reinem Kunstverstand ein sinnliches Erlebnis macht, das Spuren hinterlässt.

Diesen Schritt mit wachem Verstand, bewusstem Körpereinsatz und im intensiven Zusammenspiel mit Bühnenpartnern immer wieder zu tun und sich und das Publikum mit den vielschichtigen Erfahrungsebenen einer Arie, eines Duetts, einer Szene immer neu zu überraschen – darum geht es in diesem Kurs.

Entscheiden Sie bitte frühzeitig, welche Stücke – bevorzugt Ensembles – Sie hier erarbeiten wollen, damit Sie diese musikalisch gründlich einstudieren und auswendig lernen und wir unter den übrigen Teilnehmern nach geeigneten Partnern dafür suchen können. Die Stücke können aus dem Repertoire der anderen Kurse stammen, Sie können aber auch Arien oder Szenen anderer Komponisten und Stilrichtungen mitbringen.
Die Arbeitsresultate werden bereits am Donnerstag abend in einem geeigneten szenischen Rahmen präsentiert.
Unbedingte Voraussetzung für die Teilnahme ist, dass Sie die Stücke sprachlich stimmlich und musikalisch sicher und vollkommen auswendig beherrschen (bitte erstellen Sie von jedem Stück eine Interlinearübersetzung!).

Die Lotte-Lehmann-Woche im Ablauf

Die Kurse finden ab Samstag jeweils von 10–13 Uhr und von 14–19 Uhr statt, in der Lotte Lehmann Akademie, der Kreismusikschule, der Aula des Gottfried-Arnold-Gymnasiums, im Museum und in weiteren Gebäuden der historischen Altstadt.
Sämtliche Kursveranstaltungen sind öffentlich:
Dozenten und Teilnehmer freuen sich auf zahlreiche musikbegeisterte Zuschauer – der Eintritt ist frei!
Freitag, 25. August 10:00 Begrüßung, Information, Organisation
  14:00 Beginn der Kursveranstaltungen
  19:00 Festliches Eröffnungskonzert
Sonntag, 27. August 20:00 Film: "Lotte Lehmann, Stimme des Herzens" in der Lotte Lehmann Akademie, Großer Markt 12
Montag, 28. August 20:00 Masterclass mit den Dozenten der Lotte Lehmann Woche im Judenhof, Parchimer Straße 6
Dienstag, 29. August 19:00 Erinnerungen an Lotte Lehmann
auf Gut Groß Pankow
Donnerstag, 31. August 20:00 Junge Talente szenisch
Szenisches Konzert der Teilnehmer der Lotte-Lehmann-Woche im Kaisersaal des Hotels Deutscher Kaiser
Samstag, 2. September 11:00 Generalprobe für das Abschlusskonzert
  17:00 Belcanto in St. Jacobi
Großes Abschlusskonzert der Lotte-Lehmann-Woche mit Vergabe der Förderpreise der Stadt Perleberg und der Jugend- und Kulturstiftung der Sparkasse Prignitz in der Kirche St Jacobi
Sämtliche Veranstaltungen sind öffentlich.